Cannabis entlauben: So kriegst du große, harzige Buds
David ist seit über 4 Jahren selbstständig in der Cannabisbranche tätig. Schon viele Jahre zuvor sammelte er praktische Erfahrung im Anbau. Mit seinem umfangreichen Wissen zu Cannabis, Terpenen, Trocknung, Fermentation und Lagerung hilft er Einsteigern und erfahrenen Growern, ihre Pflanzen optimal zu pflegen.
29. April 2026Ein dichter, grüner Busch ist zwar ein Zeichen für vitale Pflanzen, doch im Growzelt kann das zum Problem werden. Denn wenn die Blätter im Inneren sich gegenseitig überlagern, entsteht im Inneren der Pflanze ein feuchtes Mikroklima, in dem die Luft kaum noch zirkulieren kann. Das Entlauben löst diesen “Schwitzkasten”. Wie genau du das anstellst und wie diese Technik dir dabei hilft, höhere Erträge zu erzielen, erfährst du in diesem Beitrag.
Was versteht man unter “Cannabis entlauben”?
Cannabis entlauben (auch Defoliation genannt) bedeutet, gezielt Blätter zu entfernen, um das Blätterdach zu öffnen und die unteren Teile der Pflanze besser mit Licht und Luft zu versorgen. Diese Methode verbessert die Lichtverteilung und die Luftzirkulation, wodurch die Pflanze weniger Stress hat und die Blüten (Buds) besser gedeihen können.
Die Vorteile der Defoliation
Abgesehen von der besseren Luftzirkulation bietet die Entlaubung einen entscheidenden Schutz gegen Schimmel und Schädlinge. In einem zu dichten Blätterdach stauen sich Hitze und Feuchtigkeit extrem schnell, was die perfekte Brutstätte für Mehltau oder Spinnmilben schafft. Durch das Ausdünnen löst du diesen gefährlichen Feuchtigkeitsstau auf und entziehst Krankheitserregern ihre Verstecke. Gleichzeitig wird dein Grow deutlich übersichtlicher: Du entdeckst Probleme wie vergilbte Blätter oder erste Anzeichen von Befall sofort, bevor sie die gesamte Ernte gefährden können. Zu guter Letzt, und das ist für die meisten Grower wahrscheinlich der wichtigste Grund, ermöglicht die Entlaubung deiner Pflanze eine gezielte Bündelung ihrer Ressourcen. Anstatt wertvolle Energie in die Erhaltung riesiger, im Schatten liegender Blätter zu investieren, kann sie sich nach dem Schnitt voll auf die Produktion kompakter Buds konzentrieren. Das wiederum sorgt dafür, dass die Blütenproduktion gleichmäßiger ausfällt und die Buds spürbar an Gewicht und Harzbesatz zunehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Entlaubung und Lollipopping?
Obwohl beide Techniken die Schere nutzen, sind sie nicht dasselbe. Beim Lollipopping entfernst du im unteren Bereich alles, was kein Licht sieht, damit die Pflanze ihre Kraft ausschließlich in die obersten Blüten steckt und kräftig nach oben wächst. Das Entlauben ist dagegen ein gezieltes Auslichten von Blättern an verschiedenen Stellen der Pflanze, um Schattenplätze und feuchte Ecken im Inneren zu verhindern. Beide Methoden ergänzen sich zwar gut, wirken aber unterschiedlich auf das Wachstum: Lollipopping schafft eine klare Hierarchie zugunsten der Spitze, während Entlauben die Bedingungen für alle Blütenstände verbessert.
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Wann sollte man Cannabis Pflanzen entlauben?
Die Frage nach dem „Wann“ lässt sich nicht mit einem einzigen Datum beantworten, denn das Entlauben ist vielmehr ein begleitender Prozess als ein einmaliger Eingriff. Wir raten dir dazu, sowohl in der Wachstumsphase als auch in der Blütephase zur Schere zu greifen. Während du im Wachstum das Fundament für eine gesunde Struktur legst, zündest du in der Blüte den eigentlichen Ertrags-Turbo. Wie genau du dabei in den jeweiligen Phasen vorgehst und worauf du achten musst, zeigen wir dir in den folgenden Abschnitten.
So gehst du in der Vegetativen Phase vor
Bevor du anfängst, stelle sicher, dass deine Ausrüstung bereit ist. Du benötigst eine scharfe Präzisionsschere, um saubere Schnitte zu setzen und das Gewebe nicht zu quetschen. Ganz wichtig: Desinfiziere die Klingen vorab mit Isopropylalkohol, damit keine Keime oder Krankheitserreger in die offenen Schnittstellen gelangen. Wichtig ist auch, dass du immer so nah wie möglich am Stamm ansetzt. Achte auf einen glatten Schnitt und versuche niemals, Blätter einfach mit der Hand abzureißen. Das Reißen verursacht unnötige Wunden am umliegenden Gewebe, die deutlich langsamer heilen und die Pflanze anfälliger für Infektionen machen.
Schritt 1: Den passenden Zeitpunkt wählen
Den ersten Schnitt solltest du dann machen, wenn deine Pflanze kräftig genug ist; in der Regel ist das etwa in der 3. oder 4. Woche der Fall. Ein idealer Moment für eine größere Entlaubung ist kurz bevor du die Beleuchtung auf die Blütephase (12/12) umstellst. Plane danach unbedingt 2 bis 3 Tage Ruhezeit ein, damit die Pflanze den Stress verarbeiten kann, bevor sie die Phase wechselt.
Schritt 2: Die „Sonnenschirme“ entfernen
Beginne nun die großen, handtellergroßen Fächerblätter zu identifizieren. Diese Blätter blockieren das Licht für fast alles, was unter ihnen liegt. Arbeite dich am besten von oben nach unten durch und entferne gezielt die Blätter, die tiefer liegende Triebe massiv beschatten.
Schritt 3: Das Innere auslichten
Konzentriere dich als Nächstes auf Blätter, die direkt nach innen zur Mitte der Pflanze wachsen. Diese versperren nicht nur das Licht für wichtige Blütenansätze, sondern behindern auch die Luftzirkulation im Inneren der Krone. Durch das Entfernen dieser Blätter beugst du Feuchtigkeitsstau und Schimmel vor.
Schritt 4: Wie viele Blätter du abschneiden solltest
Wie viel Laub du letztlich entfernst, hängt stark von deiner bisherigen Erfahrung ab. Als Anfänger solltest du eher behutsam vorgehen und dich vor allem auf den unteren Bereich der Pflanze konzentrieren, wobei du maximal 10–15 % der Blätter wegnimmst. Bist du hingegen schon erfahrener, kannst du deutlich mutiger ans Werk gehen und bis zu 20–25 % (in der Spitze maximal 30 %) des Blattwerks entfernen, indem du die Pflanze vom Boden bis hoch zur dritten oder vierten Nodie unter der Krone strategisch ausdünnst.
Schritt 5: Die Reaktion beobachten
Nach dem Entlauben solltest du deine Pflanzen täglich kontrollieren. Eine gesunde Pflanze richtet ihre verbliebenen Blätter meist innerhalb kurzer Zeit wieder auf und zeigt verstärktes Wachstum in den nun helleren Bereichen. Wirkt sie hingegen schlaff oder verfärben sich Blätter, war der Stress zu groß: gib ihr in diesem Fall deutlich mehr Zeit zur Erholung.
Wie du beim Entlauben in der Blütephase vorgehst
Beim Entlauben in der Blütephase ändert sich an der grundlegenden Handhabung nichts: Du gehst bei der Schnitttechnik und Hygiene exakt so vor wie in der Wachstumsphase. Nutze weiterhin deine desinfizierte Präzisionsschere und setze die Schnitte glatt und nah am Stamm an, um die Pflanze nicht unnötig zu verletzen. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Fokus und der Vorsicht. Während du im Wachstum die gesamte Struktur geformt hast, konzentrierst du dich jetzt gezielt auf die Lichtdurchdringung für die Buds.
Schritt 1: Zeitpunkt wählen und Buds freigeben
Warte mit dem Entlauben unbedingt ab, bis der Blütestretch vorbei ist, also etwa bis zur dritten Blütewoche (Tag 21–28). Sobald sich die ersten festen Blüten gebildet haben, ist die Pflanze robust genug für den Eingriff. In diesem Zeitfenster ist die Regenerationskraft am höchsten, sodass der Stress die Entwicklung nicht bremst, sondern gezielt fördert. Identifiziere als nächstes die großen Fächerblätter, die den direkt darunterliegenden Blüten das Licht stehlen. Jede Blüte, die jetzt direktes Licht abbekommt, entwickelt sich deutlich kompakter und harziger. Durch das Entfernen dieser Blätter signalisierst du der Pflanze, ihre Energie nicht mehr in die Erhaltung von Laub, sondern in die Schwellung der Knospen zu stecken.
Schritt 2: Besondere Vorsicht an den Blüten
Im Gegensatz zur Wachstumsphase musst du jetzt beim Hantieren extrem behutsam sein. Die jungen Blüten und ihre feinen Harzdrüsen sind sehr empfindlich. Vermeide es, die Buds direkt zu berühren oder mit der Schere zu streifen, um die Qualität nicht zu beeinträchtigen.
Schritt 3: Das richtige Maß halten
Auch in der Blüte gilt die goldene Regel: Entferne maximal 20–30 % des Laubs. Gehst du zu radikal vor, muss die Pflanze zu viel Energie für die Heilung der Schnittstellen aufwenden, anstatt sie in die Blütenproduktion zu stecken. Nach dem Schnitt behältst du deinen gewohnten Dünge- und Gießplan bei, damit die Pflanze die neu gewonnene Lichtenergie sofort in Masse ummünzen kann.
Pflege der Cannabispflanzen nach dem Entlauben
Das Ziel nach dem Entlauben ist eine luftigere, lichtdurchflutete Struktur, bei der die Pflanze weiterhin gesund und kräftig aussieht. Ob du unsere Anleitung richtig ausgeführt hast, verrät dir die Pflanze in den folgenden Tagen: Straffe Blätter und normales Weiterwachsen sind das grüne Licht für dich. Damit das so bleibt, solltest du unbedingt Stabilität halten und weder den Gießrhythmus noch das Licht-Setup oder die Düngergabe verändern. Nimm bitte auch keine weiteren Eingriffe wie Umtopfen oder Topping in der Erholungsphase vor, um die Pflanze nicht noch mehr zu stressen.